
Gestreifte Felsnadeln am Horizont: Der Needles District
Wie wir bereits im ersten Teil dieser kurzen Serie über den Nationalpark Canyonlands geschrieben haben, teilt sich der Park in drei Gebiete auf: Island in the Sky, the Needles und the Maze. In diesem zweiten Teil ist nun der Needles District an der Reihe. Dieser liegt im südöstlichen Teil des "Ypsilons" des Nationalparks und besteht aus sehr unterschiedlichen Landschaften mit Felsnadeln und -säulen, Bögen und Schluchten. Besonders auffällig aber sind natürlich die gestreiften Felsnadeln, die dem Gebiet den Namen gegeben haben und die sehr prominent aus der Landschaft herausragen. Doch auch hier gibt es, wie schon im nahe gelegenen Arches Nationalpark, zahlreiche Felsbögen, darunter den berühmten 46 m hohen Angel Arch im Salt Creek Canyon. Der Needles District ist um einiges unzugänglicher als Island in the Sky und deshalb besonders beliebt bei Rucksackwanderern. Da man für Backcountry Camping eine Erlaubnis benötigt, sollte man dies gut vorbereiten und früh genug planen, besonders zur Hauptreisezeit im März, April, Mai, Juni sowie September und Oktober. Aber natürlich lässt sich der Park auch bei einer Tagestour erkunden.
In diesem Special stellen wir Ihnen wieder Wanderwege vor - kurze und lange - sowie Offroad Touren, Campingmöglichkeiten und was man hier alles beachten muss.
Anfahrt und Öffnungszeiten:
Der Needles District im Canyonlands Nationalpark liegt knapp 120 km südlich von Moab (ca. 2 h) und 77 km nordwestlich von Monticello (ca. 1,5 h) und ist ganzjährig geöffnet. Man erreicht ihn über den Highway 191 - den man fährt, wenn man z.B. von Moab Richtung Süden zum Monument Valley unterwegs ist - und biegt beim sehr auffälligen Church Rock (sieht eher aus wie eine riesige Glocke) auf den Highway 211 zum Needles District ab. Von hier sind es 56 km bis zum Visitor Center. Auf der Seite des San Juan County im südöstlichen Utah kann man sich auf einer Karte grob orientieren. Auf dem Weg am Hwy 211 sollte man auch kurz am Newspaper Rock anhalten. Die kurze Abzweigung ist ausgeschildert. Hier findet man auf fast 20 qm sehr beeindruckende indianische Petroglyphen. Der Eintritt ist frei.
Eintritt:
Auto: $10 (gültig für sieben aufeinander folgende Tage). Dieses Ticket gilt für ein Auto inklusive Insassen. Es gilt natürlich auch für den Island in the Sky District.
Fussgänger: $5 pro Person (gültig für sieben aufeinander folgende Tage). Dieses Ticket gilt auch für Fahrrad- und Motorradfahrer.
Nationalparkpass: Wie immer bietet es sich an, den Annual Pass „America the Beautiful" zu kaufen, wenn man mehrere Parks besucht. Dieser kostet $80 (pro Fahrzeug inkl. 4 Insassen) und gilt für ein Jahr in allen Nationalparks, National Monuments etc. des National Park Services. Wir empfehlen, diesen Pass erst bei Ankunft im ersten Nationalpark bzw. -monument zu kaufen und NICHT vorher zu bestellen, da dies sehr umständlich ist und keinen Vorteil bietet. Weitere Infos gibt es hier.
Visitor Center: Bevor Sie tiefer in den Park hineinfahren, unbedingt zuerst das Visitor Center aufsuchen. Besonders in der Nebensaison (Winter) sind die Eingangshäuschen am Parkeingang nicht immer besetzt, an denen Sie normalerweise Ihren Eintritt bezahlen (bzw. Ihren Nationalparkpass kaufen oder vorweisen) und auch Ihre Broschüre inkl. Karte für den Park erhalten. Diese bekommen Sie dann im Visitor Center. Hier finden Sie neben weiteren Broschüren auch ausreichend anderes Kartenmaterial und Informationen über den Park. Wenn Sie unsicher sind, welche Route oder Wanderweg für Sie der richtige ist, fragen Sie die Park Ranger im Besucherzentrum. Die helfen Ihnen immer gerne und informieren Sie auch über alle anderen angebotenen Aktivitäten im Park, auch über die von Park Rangern geführten Touren. Das Visitor Center ist täglich von 9:00 bis 16:30 geöffnet, von Frühjahr bis Herbst länger. An manchen Feiertagen im Winter ist es geschlossen, der Park bleibt aber geöffnet.
Unterkünfte, Restaurants, Verpflegung:
Übernachtungsmöglichkeiten:
Hotels: Wie schon im Island in the Sky District gibt es auch im Needles District selber kein Hotel. Die nächsten Unterkünfte finden Sie in Monticello, rund 45 min vom Eingang entfernt. Hier gibt es diverse Hotels, Motels und Bed & Breakfasts verschiedener Preiskategorien, darunter auch ein Best Western oder die rustikale und höchst außergewöhnlich eingerichtete Canyonlands Lodge. Eine Auflistung aller Hotels und Motels findet man hier.
Camping: Im Needles District gibt es einen befestigten Campingplatz, den Squaw Flat Campground, der ganzjährig geöffnet ist. Man bezahlt $15 pro Platz pro Nacht, die Vergabe der 26 Plätze folgt nach dem „first-come, first-served" Prinzip, wobei die Wohnmobillänge 28 Fuß nicht überschreiten darf. Besonders zwischen Ende März und Ende Juni sowie September und Mitte Oktober ist der Platz oft gut gefüllt. Er verfügt über Waschräume, Toiletten, Wasser, Feuerstellen etc. und ist ein guter Ausgangspunkt für Tageswanderungen im Park. Der nächste Campingplatz ist der Needles Outpost kurz vor dem Eingang in den Park. Dieser befindet sich in Privatbesitz und wird nicht vom National Park Service verwaltet. Er verfügt über 26 Plätze und ist komplett ausgestattet mit Waschräumen, Toiletten, einem kleinen Shop, etc. Hier kann man sich vorher einen Platz reservieren. Diesen und weitere Campingplätze in Monticello findet man auf dieser Auflistung.
Backcountry Camping: Wer im Hinterland campen möchte, weil er eine Rucksackwanderung plant, benötigt einen gebührenpflichtigen „Backcountry Permit". Auch für manche Offroad Strecken sind Permits erforderlich, u.a. auch für Tagestouren ohne Übernachtung.
Verpflegung: Innerhalb des Parks gibt es KEINE Verpflegung. Die einzige Stelle, an der man Wasser kaufen kann, ist das Visitor Center in der Nähe des Eingangs zum Needles District. Man sollte also genug zu essen und zu trinken mitgenommen haben, wenn man z.B. von Monticello losfährt! Oder man deckt sich noch im Needles Outpost kurz vor dem Park ein. Wie immer empfehlen wir Ihnen auch hier, stets eine Flasche Wasser dabei zu haben, auch wenn Sie eigentlich nur kurz ein Stück laufen möchten. Die Höhe (1.100 bis 2.200 m ü. M.), kombiniert mit der Trockenheit (Wüstenklima! In Canyonlands fallen weniger als 250 mm Regen pro Jahr!) ist nicht zu unterschätzen. Man sollte also immer viel trinken, auch wenn man nicht merkt, dass man schwitzt oder durstig ist. Es gibt einige Quellen im Park, an denen man Wasser finden kann, das man natürlich filtern muss, da diese aber trocken sein können, sollte man sich nicht darauf verlassen. Die Gewässer der Flüsse Colorado und Green sind sehr schlammig und deshalb schwer zu filtern. Empfohlen werden vom Nationalparkservice 1 Gallone, also ca. 4l Wasser pro Tag und Person, die man besonders bei Touren ins Hinterland dabei haben sollte.
Aktivitäten im Park:
Die Aussichtspunkte: Auch im Needles District gibt es einen asphaltierten Teil, der mit dem PKW zu befahren ist. Von hier lassen sich einige Aussichtspunkte anfahren, sowie der Campingplatz Squaw Flat. Zu den Aussichtspunkten gehören Wooden Shoe Overlook - der wirklich aussieht wie ein holländischer Clog - und Big Spring Canyon Overlook. Zudem gelangt man hier zu den Trailheads einiger Wanderwege. Von der Straße gehen kurze, ungeteerte aber sehr gut zu befahrende Strecken ab, die auch für einen normalen PKW gut geeignet sind. Dazu gehören die 5 km lange Straße zum Elephant Hill Parkplatz sowie das 1,6 km lange Stück zum kurzen Wanderweg Cave Spring Trail.
Wandern:
Kurze Spazierwege:
Cave Spring Trail: Dieser 1 km lange Rundweg beginnt am Parkplatz und dauert rund 30 Minuten. Zwei Holzleitern müssen auf diesem Stück überwunden werden.
Pothole Point Trail: Dieser ebenfalls 1 km lange Rundweg beginnt am Parkplatz des Pothole Point und dauert rund 30 min. Er führt über unebenen Slickrock und führt zu einigen mit Wasser gefüllten Löchern im Fels und bietet einen tollen Blick auf die Needles.
Roadside Ruin Trail: Nur wenige Meter sind es, die man zurücklegen muss um zu Kornspeichern der früher hier ansässigen Indianer zu gelangen.
Slickrock Trail: Dieser 4 km lange Rundweg beginnt unweit des Big Spring Overlooks und hat außer dem Untergrund nichts mit dem berühmten Slickrock Bike Trail nahe Moab zu tun. Er führt aber ebenfalls über den angenehm zu laufenden und bei Trockenheit besonders griffigen Slickrock und endet an verschiedenen Aussichtspunkten.
Tages- und Mehrtageswanderungen:
Im Needles District gibt es knapp 100 km miteinander verbundener Wanderwege, die mit großartigen Landschaften aufwarten. Die Wege, die - typisch für baumlose Regionen - mit „cairns", kleinen Steintürmchen gekennzeichnet sind, führen teilweise über Slickrock, durch ausgewaschene Flussbetten, erfordern manch steile Abstiege oder Klettern über Holzleitern. Wasser muss unbedingt mitgebracht werden, denn auf sprudelnde Quellen sollte man sich hier nicht verlassen. Einige Wege eignen sich für Tagestouren, wer aber im Hinterland übernachten möchte - entweder wo vorhanden auf speziell ausgewiesenen Zeltplätzen oder in bestimmten Gebieten „at large", also irgendwo, wo es einem gefällt, benötigt einen Permit. Ein Blick hier auf die Karte zeigt genau, wo es Zeltplätze gibt und wo man sich seinen Platz selber aussuchen darf. Bitte unbedingt früh genug daran denken, dass ein Backcountry Permit benötigt wird. Für Touren ins Hinterland in 2011 können seit dem 12. Juli 2010 Permits beantragt werden! Hier finden Sie weitere Infos, für welche Aktivitäten man einen Permit benötigt, an welchen Terminen man die jeweiligen Permits beantragen kann und welche Auflagen damit verbunden sind.
Chestler Park Loop/Joint Trail:
18 km Rundweg
Start: Elephant Hill Trailhead
Dieser Weg führt zu einem Aussichtspunkt über Chesler Park, einem der Highlights des Needles Districts: Weite Graslandschaften, aus denen die farbenfrohen Felsnadeln herausragen. Fünf Zeltplätze liegen an diesem Trail, Wasser gibt es nicht.
Elephant Canyon/Druid Arch
18 km Rundweg
Start: Elephant Hill Trailhead
Dieser Wanderweg führt zu einem der spektakulärsten Aussichtspunkte im Park. Am Ende muss man ein Stück klettern, z.T. über eine Leiter. Drei Zeltplätze liegen hier, Wasser gibt es nur saisonal.
Confluence Overlook
16,5 km Rundweg
Start: Big Spring Canyon Overlook
Diese Weg führt zum größten Teil über offenes Gelände und endet an einem Aussichtspunkt, von dem aus man den Zusammenfluss von Colorado und Green sehen kann. Nur freies Campen, Wasser gibt es nicht.
Big Spring to Squaw Canyon
12 km Rundweg
Start: Squaw Flat Loop „A" Trailhead
Dieser Weg verbindet zwei Canyons miteinander, ist aber nicht unbedingt etwas für Menschen mit großer Höhenangst, da z.T. steile Felsen überwunden werden müssen, die besonders bei Nässe sehr rutschig und gefährlich sein können. In jedem Canyon gibt es jeweils zwei Zeltplätze.
Peekaboo Trail
16,5 km Rundweg
Start: Squaw Flat Loop „A" Trailhead
Der anspruchsvolle Weg durchquert zwei Canyons, viel Kletterei auf und entlang exponierter Canyonränder wird mit grandiosen Ausblicken belohnt. Es gibt einen Campingplatz (u.a. für Offroad Fahrzeuge) am Ende des Wegs, Wasser gibt es nur saisonal.
Lower Red Canyon
30 km Rundweg
Start: Elephant Hill Trailhead
Der Weg vom Elephant Hill zum Colorado River ist sehr anstrengend, und es gilt einen Höhenunterschied von 430 m zu überwinden. Nur wenig Schatten, steile Wege hinunter zum Fluss. Für diesen Weg sollte eine Übernachtung eingeplant werden. Nur freies Campen, Wasser gibt es nur am Fluss.
Salt Creek Canyon
34 km Rundweg
Start: Peekaboo oder Cathedral Butte
Dieser Weg führt zum Teil durch dickes Gebüsch und folgt teilweise einer alten Offroad Straße. Oft wird er durch Dickicht verdeckt. Viele archäologische Stätten und Felsbögen sind die Belohnung. Im unteren Teil ist nur freies Campen möglich, dafür gibt es normalerweise Wasser.
Offroad Touren:
Mehr als 80 km Straße für Offroad Fahrzeuge gibt es im Needles District. Für alle diese Straßen sind Geländewagen mit Allradantrieb und hoher Bodenfreiheit Voraussetzung. Da normale Mietwagen - auch Geländewagen - bei den meisten Anbietern nicht auf solchen unbefestigten Straßen gefahren werden dürfen, sollte man sich zumindest für diese Zeit vor Ort nach einem Anbieter umschauen, der extra hierfür Fahrzeuge vermietet, z.B. in Moab. Oder aber man macht direkt eine geführte Tour mit einem der zahlreichen Anbieter. Das ist am sichersten und macht garantiert nicht weniger Spaß!! Hier gibt es eine Auflistung der Anbieter in der Nähe von Montecillo und Moab.
Elephant Hill: Diese Strecke, die hinter dem Parkplatz am Elephant Hill beginnt, gehört zu den technisch anspruchsvollsten 4x4 Straßen, die Utah zu bieten hat. Abschüssige Strecken, lose Felsbrocken, stufenförmige Absprünge und Haarnadelkurven müssen überwunden werden, bevor man zu ausgewiesenen Campingplätzen und Wanderwegen kommt.
Colorado Overlook: Leichter zu fahren als Elephant Hill, aber immer noch anspruchsvoll, besonders auf den letzten 2,5 km. Hier kann man das Auto stehen lassen, wenn man niemanden behindert, und zu Fuss weitergehen. Von hier hat man einen grandiosen Blick auf den Colorado. Auf dieser Strecke gibt es keine Übernachtungsmöglichkeit mit dem Fahrzeug, man muss also wieder zurück. (22 km Rundweg)
Horse Canyon / Peekaboo: Hier benötigt man einen Permit, sowohl für Tagestouren als auch für Übernachtungen. Die Straße führt durch Canyons und ist z.T. extrem sandig oder führt durch tiefere Gewässer. In Peekaboo gibt es eine Campingmöglichkeit für Fahrzeuge. Horse Canyon führt zu zahlreichen Felsbögen und zu den Tower Ruins, indianischen Felswohnungen.
Lavender Canyon: Hier wird ein Permit für Tagestouren benötigt; Übernachtungsmöglichkeiten mit einem Fahrzeug gibt es nicht. Auch hier führt die Tour durch Canyons mit sehr sandiger Piste und tieferen Gewässern, darunter zwei mit sehr steilen Ufern. Aussichten auf grandiose Felsbögen belohnen denjenigen, der sich hier durchschütteln lässt.
Mountainbiken:
Von den oben aufgeführten Offroad Strecken eignen sich zwei für Mountainbikes: Elephant Hill (sehr anspruchsvoll) und Colorado Overlook. Die anderen beiden sind zu sandig und führen durch zu tiefe Gewässer. Da sollte man ansonsten besser zum Island in the Sky District fahren, den wir im letzten Newsletter vorgestellt haben.
Geführte Touren:
Natürlich gibt es auch geführte Touren durch den Needles District, was sicherlich besonders für Touristen, die mit Mietwagen und nicht dem eigenen 4x4 unterwegs sind, eine tolle Alternative ist. Anbieter für geführte Mountainbike-, Offroad- und natürlich Raftingtouren findet man hier:
San Juan County
Moab
National Park Service
Hier gehts zum Island in the Sky District