Bryce Canyon Nationalpark

Die bizarren Steinfiguren des Bryce Canyon Nationalparks oder Warum der berühmte Canyon gar kein Canyon ist

Sehr oft hören wir, dass Besucher, die bereits den Südwesten der USA bereist haben, Vergleiche zwischen Bryce Canyon und Grand Canyon ziehen. Das verwundert uns immer etwas, da beide Parks so grundverschieden sind, dass sie eigentlich gar nicht zu vergleichen sind.
Denn eigentlich ist der Bryce Canyon gar kein Canyon, er wurde nämlich nicht so wie die anderen berühmten Schluchten der Welt durch einen Fluss gebildet. Tatsächlich besteht er aus einer Aneinanderreihung mehrerer Amphitheater, in denen sich von der einen zur anderen Seite eines Plateaus die berühmten Hoodoos in die Luft recken. Hoodoos nennt man die gelb-rötlichen Felsnadeln, die hier von der Erosion des Plateaus durch Wind, Wasser und Eis stehen geblieben sind und die bis zu 60m hoch sein können. Aber nicht nur die Felsnadeln gibt es hier zu sehen, auch Felsbögen und -brücken findet man hier. So sieht er wirklich völlig anders aus als der Grand Canyon. Die meisten ziehen aber wohl den Vergleich, da sich beide Canyon nennen, dennoch sind sie grundverschieden.
Seinen Namen erhielt Bryce Canyon von Ebenezer Bryce, einem Mormonen, der 1875 in die soeben etablierte Ortschaft Clifton kam um beim Bau eines Bewässerungsgrabens und einer Straße zu helfen. Letztere benötigte man, um Nutzholz besser abtransportieren zu können. Das Amphitheater am Ende der Straße nannte man Bryce's Canyon, und obwohl Bryce bereits fünf Jahre später weiterzog, blieb der Name bis heute: Bryce Canyon....

Der Park, der seit 1924 Nationalpark der USA ist, liegt im Südwesten Utahs. Er ist der höchste Nationalpark Utahs und liegt ebenso wie die anderen Parks in Utah auf dem Colorado Plateau. Sein Rand liegt auf einer Höhe von 2.500 - 2.800 m, die Hänge fallen zum Teil um 250 m ab. Er ist die höchste Erhebung auf der großen Gesteinstreppe, dem Grand Staircase Escalante. Von hier hat man einen grandiosen Blick auf den Südwesten der USA und wer sich ein bisschen auskennt, wird einige Erhebungen in der Ferne erkennen, wie z.B. Navajo Mountain im Norden Arizonas. Bei der Lage ist es aber natürlich auch kein Wunder dass die Winter sehr kalt sind, so dass man von Oktober bis April durchaus mit Schnee rechnen kann. Was den Park sogar zur kalten Jahreszeit besonders reizvoll macht, kann man im letzten Absatz nachlesen.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den Bryce Canyon zu erkunden. Einen Anfang sollte man mit der rund 30 km langen Park Road machen, die sich entlang des Randes erstreckt und die vom Sunrise Point im Norden bis hin zu Rainbow & Yovimpa Points 12 Aussichtspunkte miteinander verbindet. Von den verschiedenen Aussichtspunkten erhält man einen guten Überblick über den Park. In der Hauptsaison kann man seinen Wagen stehen lassen und den kostenlosen (bzw. im Eintrittspreis enthaltenen) Shuttlebus nehmen, der außerhalb des Parks startet und alle Aussichtspunkte anfährt.
Da kann man sich aber noch nicht vorstellen, dass zwischen den Felsnadeln Wege verlaufen, sieht doch von oben alles so eng und steil aus. Man sollte also unbedingt einen kompletten Tag mit zwei Übernachtungen für den Bryce Canyon einplanen, um die zahlreichen Wanderwege, die bei den verschiedenen Aussichtspunkten starten, zu begehen, denn nur so erhält man ein wirkliches Gefühl für Bryce! Und wer es wirklich wissen will, bleibt definitiv länger. Oder kommt wieder zurück, wie viele es tun, nachdem sie einmal hier waren. Sie werden sich wundern, wie GRÜN es unten ist, und wie plötzlich man durch einen Wald läuft. Von oben ist das gar nicht zu erkennen! Lassen Sie sich also überraschen.

Anfahrt und Öffnungszeiten:
Bryce Canyon liegt im Südwesten von Utah. Der Eingang des Parks liegt ungefähr 1,6 km hinter Bryce Canyon City, der jüngsten Stadt in Utah, die erst 2007 gegründet wurde! Hier befinden sich die meisten Unterkünfte. Der Bryce Canyon Nationalpark ist ganzjährig geöffnet.

Eintritt
Auto: $25 (gültig für sieben aufeinander folgende Tage)
Dieses Ticket gilt für einen Wagen inklusive aller Insassen.
Fußgänger: $12 (gültig für sieben aufeinander folgende Tage)
Dieses Ticket gilt auch für Fahrrad- und Motorradfahrer.
Nationalparkspass: Wie immer bietet es sich an, den Annual Pass „America the Beautiful" zu kaufen, wenn man mehrere Parks besucht. Dieser kostet $80 (pro Auto inkl. 4 Insassen) und gilt für ein Jahr in allen Nationalparks, National Monuments etc. des National Park Services. Wir empfehlen, diesen Pass erst bei Ankunft im ersten Nationalpark, -monument zu kaufen, und NICHT vorher zu bestellen, da dies sehr umständlich ist und keinen Vorteil bietet.

Visitor Center
Bevor Sie tiefer in den Park hineinfahren, unbedingt zuerst das Visitor Center aufsuchen. Hier finden Sie neben Broschüren auch ausreichend Kartenmaterial und Informationen über den Park. Wenn Sie unsicher sind, welche Route oder Wanderweg für Sie der richtige ist, fragen Sie die Park Ranger im Besucherzentrum. Die helfen Ihnen immer gerne und informieren Sie auch über alle anderen angebotenen Aktivitäten im Park.
Die Öffnungszeiten für das Visitor Center sind:
Mai bis September: 8:00 Uhr-20:00 Uhr
April und Oktober: 8:00 Uhr-18:00 Uhr
November bis März: 8:00 Uhr bis 16:30 Uhr

Unterkünfte, Restaurants, Verpflegung

Übernachtungsmöglichkeiten

Hotels
Im Park selber gibt es neben den Campingmöglichkeiten nur eine Übernachtungsmöglichkeit, die Bryce Canyon Lodge. Diese ist vom 1. April bis 31. Oktober geöffnet.
Hier muss unbedingt im Voraus reserviert werden (bis zu 13 Monate vorher). Ansonsten bietet die Lodge Frühstück und Mittagessen, und im General Store werden neben Geschenkartikeln und Campingutensilien auch Getränke und kleine Snacks wie Sandwiches und Pizza angeboten.
Viele weitere Übernachtungsmöglichkeiten, die ganzjährig geöffnet sind gibt es außerhalb des Parks. Die berühmteste ist sicherlich das Best Western Ruby's Inn, mit dem alles begann. Reuben (Ruby) C. Syrett brachte seine Familie im Jahr 1916 hierher und war so beeindruckt von der Region, dass er allen davon erzählte und auch Gäste hier beherbergte. Ab 1919 erhielt er eine Erlaubnis für eine Unterkunft, die er Tourist Rest nannte. Als Bryce Canyon 1923 zum National Monument erhoben wurde, eröffnete Ruby eine neue Unterkunft ungefähr dort, wo sie heute noch steht und nannte sie „Ruby's Inn". Diese wird heute immer noch von der Familie Syrett geführt, ebenso wie das im Mai 2009 eröffnete Best Western Bryce Canyon Grand. Für ein authentisches Westernspektakel empfiehlt sich das zum Ruby's Inn gehörende Ebenezer's Barn & Grill. Das nach dem Namensstifter des Bryce Canyon benannte Restaurant serviert jeden Abend ein deftiges Cowboy-Dinner mit herzhaften Fleisch- und Fischgerichten. Dazu passend unterhalten Countrybands die Gäste mit viel Musik und guter Laune.

Camping
Im Park gibt es zwei ausgebaute Campingplätze (wenn auch ohne direkten Stromanschluss), North und Sunset. Für den North Campground, der sich unweit des Visitor Centers befindet, können 32 Plätze im Voraus reserviert werden. Wer früh plant und es wirklich wissen will, kann 240 Tage vorher buchen, spätestens aber 2 Tage vorher. Die anderen Plätze werden nach dem Motto „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst" vergeben. Im Winter ist nur eine begrenzte Anzahl von Plätzen geöffnet.
Sunset Campground, der sich nah am Rand und somit zu den Wandermöglichkeiten ab Sunset Point befindet, kann nicht reserviert werden und richtet sich nach Verfügbarkeit, man sollte also möglichst früh anreisen. Sunset Campground ist im Winter komplett geschlossen.

Backcountry Camping
Wer mit Rucksack und Zelt unterwegs ist und gerne das Hinterland erkunden möchte, für den bieten sich 8 ausgewiesene aber einfache Campingplätze innerhalb des Parks an. Für Übernachtungen wird ein Backcountry Permit benötigt. Dieser kann nicht reserviert werden sondern ist bis zu 48 h vorher beim Visitor Center nur persönlich erhältlich. Ein Permit kostet je nach Personenanzahl 5 - 15 Dollar pro Person für bis zu 7 Übernachtungen im Hinterland. Wer zu zweit unterwegs ist zahlt also 5 Dollar pro Person. Übernachtet werden darf nur auf den ausgewiesenen Plätzen, Wasser gibt es an manchen Quellen, dieses muss aber gefiltert werden. Überhaupt muss man sich auf so einen Trip ins Hinterland gut vorbereiten. Dann wird es sicherlich zu einem unvergesslichen Ereignis!

 Aktivitäten im Park

Die Aussichtspunkte
Wie bereits am Anfang beschrieben, können mit dem Auto oder Shuttlebus 12 Aussichtspunkte entlang der 30 km langen Park Road angefahren werden. Von hier hat man nicht nur einen unvergesslichen Blick in die Ferne, auch gewinnt man einen ganz guten Überblick über das Gewirr der Hoodoos und auf manche Felsbögen und -brücken. So beeindruckend das auch ist: wir können jedem nur empfehlen, sich nicht damit zufrieden zu geben. Denn einen wahren Einblick in den Park erhält man erst, wenn man den Plateaurand verlässt und sich etwas in die Tiefe begibt.

Tageswanderungen
Es gibt zahlreiche ausgewiesene Wanderwege hinunter. Diese reichen von sehr leichten bis hin zu recht anspruchsvollen Wanderungen. Gutes Schuhwerk ist für alle eine Voraussetzung, besonders zur kalten Jahreszeit wenn die Wege teilweise schneebedeckt oder vereist sind. Aber auch im Sommer sollte man die Wege nicht unterschätzen und sich auch nicht von anderen „Wanderern" beeindrucken lassen, wenn diese einem in Flipflops und offenen Sandalen entgegen kommen.
Oft lassen sich einige Wanderwege miteinander verbinden (wie Navajo Loop und Garden Trail, insgesamt 4,6 km), so dass immer noch genügend Zeit für andere Wege bleibt. Eine Vorauswahl können Sie schon über das Internet treffen, aber sprechen Sie ruhig nochmal mit den Park Rangern im Visitor Center, besonders wenn Sie sich nicht sicher sind, wie der aktuelle Zustand der Wege ist.

Backcountry Hiking
Wie bereits oben erwähnt, gibt es zahlreiche Wanderungen ins Hinterland abseits der ausgetretenen Pfade. 40 km lang ist der Under-the-Rim Trail. Von der Länge alleine sollte man sich aber nicht täuschen lassen, denn natürlich geht es hier auch auf und ab.

Andere Aktivitäten im und außerhalb des Parks

Reiten
Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, einen Ausritt außerhalb des Parks zu buchen auch direkt im Park kann man reiten. Die 2 oder 3,5h dauernden Touren zwischen den Hoodoos hindurch kosten 50 bis 75 USD pro Person.
Mountainbiking:
Das Ruby's Inn verleiht Mountainbikes für halbe und ganze Tage. Innerhalb des Parks darf man nur auf den geteerten Wegen fahren, aber die Region um den Park ist ebenfalls sehr eindrucksvoll. Besonders empfehlenswert ist der Red Canyon. Hierzu lesen Sie bitte das Kapitel „Unser Insider Tipp: Der Red Canyon".

Vollmondwanderungen
Auch im Bryce Canyon werden von Park Rangern geführte, kostenlose Wanderungen angeboten. Von Mai bis Oktober gibt es die beliebten, 2-3 km langen Full Moon Hikes, bei denen die Hoodoos in dem fahlen Mondlicht besonders unheimlich wirken. Wer sich dennoch traut, sollte sich sehr früh morgens entscheiden. Vorabreservierungen gibt es nämlich nicht, anmelden kann man sich erst morgens am Tag der Wanderung ab 8:00 Uhr im Visitor Center. Da nur max. 30 Personen zugelassen sind, sollte man sich wirklich früh anstellen (ab 7:30 Uhr), denn die Touren sind erfahrungsgemäß bereits in der ersten Stunde ausgebucht. Die genaue Uhrzeit für den abendlichen Start (gegen 20:00 Uhr und später) erfährt man dann vor Ort. An welchen Tagen des jeweiligen Jahres die Touren stattfinden, kann man auf der Webseite des Nationalparkservices erfahren.
Dieses einmalige Erlebnis rechtfertigt unbedingt das frühe Aufstehen, und wer vielleicht noch einen Jetlag hat, dem dürfte es sowieso nicht schwerfallen. Wahrscheinlich ist er froh, endlich etwas unternehmen zu können.

Aus der Luft
Nicht nur mit dem Helikopter, auch mit dem Heißluftballon werden Rundflüge bzw. -fahrten angeboten.

Im Winter

Wie reizvoll der Bryce Canyon im Winter ist kann gar nicht oft genug betont werden. Nicht nur weil dann die Hoodoos weiße Mützen tragen und der Park in allen Farben leuchtet, es sind auch viel weniger Besucher unterwegs. Im Ruby's Inn können gegen sehr geringe Gebühren Schneeschuhe und Langlaufski ausgeliehen werden, zudem kann man sich hier über Wege innerhalb des Nationalparks und seiner Umgebung erkundigen.
Siehe auch den Utah Newsletter von November 2008